Die Ereignisse der letzten Tage sind nich wirklich erwähnenswert. Daher bevorzuge ich es, aus Anlass des Tohoku-Erdbebens vor einem Jahr, darüber zu berichten.
Niedergeschrieben habe ich diesen Text bereits am 1. Mai 2011.
Unser letzter Ausflug stellte eine Shoppingtour in einem Einkaufszentrum in Nakano am 11. März dar. Jeder für sich durchstreiften wir die Geschäfte als gegen 14:45 das eintrat, was uns diesen Aufenthalt wohl nie mehr vergessen lässt. Die Erde fing an zu beben. Da ich in relativer Nähe zur Treppe war, folgte ich den hinunterlaufenden Japanern. Unten angekommen war es aber auch schon wieder vorbei. Wenngleich viele Japaner den Weg ins Freie suchten, blieben ebenso viele im Einkaufszentrum und kauften unbeirrt weiter. Da wir uns erst 16:30 wieder treffen wollten und noch keiner der anderen am vereinbarten Treffpunkt war, setzte auch ich meinen Einkauf fort. Während ich irgendwann auf Benjamin traf, setzte ein Nachbeben ein. Frei bewegliche Gegenstände schaukelten hin und her. Heruntergefallen ist jedoch zum Glück nichts. Nun schlossen allerdings immer mehr Geschäfte, sodass wir uns zum Treffpunkt begaben. 16:30 kamen dort schließlich auch die anderen beiden an und wir versicherten uns unseres gegenseitigen Wohlaufseins. An der Bahnstation trafen wir auf eine große Menschentraube. Die Bahnlinie fuhr nicht mehr. Wir gingen daher entlang der Bahnschienen nach Shinjuku, um dort festzustellen, dass ebenso die Odakyū-Linie nicht mehr fuhr. Wir warteten dort erstmal eine Weile und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nichts besseres zu tun hatte, als die wartenden Japaner mit meinem Fragebogen zu behelligen. Das verdeutlich vielleicht, wie wenig wir uns zu diesem Zeitpunkt vom Ausmaß des Erdbebens wussten. In dem Glauben, dass es noch dauern dürfte bis sich die Bahnen wieder bewegen, gingen wir wieder los. Nach einigen hundert Metern erfuhren wir dann auf einem Großleinwandfernseher vom Tsunami und verstanden zumindest, dass es irgendwo weiter im Norden sein müsste. Doch wir mussten weiter und gingen wieder entlang der Bahnstrecke in Richtung Sagami Ōno, um von irgendeinem größeren Bahnhof mit dem Bus oder Taxi weiterzufahren. Von Shinjuku aus war dies jedenfalls nicht möglich. Ca. 20:00 kamen wir in Yoyogiuehara an, doch fuhr von dort weder ein Bus, noch warteten irgendwo Taxen. Wir riefen also beim Wohnheim an, um zu versichern, dass es uns gut geht und nach Rat zu fragen. Uns wurde empfohlen, nicht mehr allein durch die Gegend zu gehen, sondern beispielsweise eine Karaoke-Bar aufzusuchen, um dort die Nacht zu verbringen. Wir stellten uns also darauf ein, die Nacht in einer Karaoke-Bar zu verbringen. Da die Karaoke-Bars aber erst 23:00 billiger werden, gingen wir noch einige Stationen weiter. 21:00 kamen wir schließlich in Shimokitazawa an. Inzwischen waren wir wohl knapp 15 km seit Nakano gegangen und die meisten von uns wollten nicht mehr weiter. Wir gingen also für zwei Stunden in eine Karaoke-Bar, um danach in eine andere zu wechseln. Als wir jedoch aus dieser wieder herauskamen, sahen wir wieder Züge fahren und eilten zum Bahnhof. Allerdings fuhr nur eine andere Linie und wir warteten noch eine Stunde bis auch schließlich die Odakyū-Linie wieder fuhr. Kurz nach 2:00 kamen wir endlich im Wohnheim an, teilten der Internetwelt mit, dass es uns gut geht und fielen erschöpft ins Bett. Erst am Morgen realisierten wir das wirkliche Ausmaß des vorangegangenen Tages. Die anschließenden Tage verbrachten wir überwiegend im Wohnheim, verfolgten die Nachrichten und beruhigten Familie und Freunde in Deutschland. Nach Empfehlung unserer Uni und der deutschen Botschaft, Japan zu verlassen, buchten wir schließlich unsere Rückflüge für den 14./15. März. Die letzten Tage gestalteten sich gemischt. Während die deutschen Medien den Eindruck erweckten, Tōkyō würde bald untergehen, schien das Leben auf den Straßen seinen gewohnten Gang zu gehen. Lediglich die stehenden Rolltreppen und Züge sowie die leeren Reihen in den Supermärkten und Conbini wollten nicht so recht in das gewohnte Idyll hineinpassen. Wenn auch besorgt um das Land und unsere neugewonnenen Freunde, waren wir schließlich froh, das Land zu verlassen und wieder in die Heimat zurückzukehren.
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