Zum zweiten Mal hat es mich nun wieder nach Japan verschlagen. Diesmal bin ich für ein halbes Jahr hier. Ich werde an der Keio Universität mein Japanisch etwas aufbessern und hoffentlich noch ne Menge vom Land sehen. Weiterhin setze ich auch meine Forschung über die Kamon fort.
Vorab erstmal etwas zum Flug. Am Dienstag den 11. September ging es 14:05 von Berlin aus los. Wieder mit Aeroflot fliegend, hatte ich einen Zwischenstopp in Moskau und kam am nächsten Tag 11:00 Ortszeit in Tokyo Narita an. Bis auf eine Verspätung von 40min von Moskau nach Tokyo lief alles gut. Interessant war während des Fluges zu sehen, wie die Sonne aufging. Da mein Fenster nach Norden zeigte, konnte ich sehen, wie es, bedingt durch die Schräglage der Erdachse, im Norden am Horizont hell wurde, während es im Nordwesten und überhaupt im Süden noch stockdunkel war.
Beim Immigration Office am Flughafen lernte ich
auch bereits meinen ersten Kommilitonen von der Keio kennen. Er sprach mich
zwar auf Deutsch an, ist aber ein Pole aus Danzig. In der Schule hatte er
Deutsch gelernt und will auch in Japan sein Deutsch verbessern. Wie ich auch
nimmt er am Japanese Language Program teil.
Nachdem ich meine Residence Card erhalten hatte,
ging es dann mit der Keisei Main Line nach Ueno und von dort mit der Hibiya
Line nach Minowa. Von dort aus fand ich dann nach etwa 15 min mein neues Heim
für die nächsten Monate. An der Tür empfing mich mein Gastvater. Er zeigte mir
auch gleich mein Zimmer, wovon ich demnächst noch ein paar Bilder hochstellen
und auch näher beschreiben werde. In Tokyo ist es übrigens noch ziemlich heiß
weswegen ich ziemlich verschwitzt angekommen bin. Daher nahm ich gleich erstmal
ne Dusche und gönnte mir daraufhin noch etwas Schlaf. Als ich etwas ausgeruhter
war, gesellte ich mich nach unten, da inzwischen auch meine Gastmutter von
ihrer Arbeit nach Hause gekommen war. Bei dieser Gelegenheit überreichte ich
zugleich meine Gastgeschenke, Halloren aus Halle^^ Bald gab es dann auch
Abendbrot, natürlich typisch Japanisch mit Reis, Misosuppe, frittertes Rinder-
und Schweinefleisch gemixt, frittierte Tintenfischringe sowie Kartoffeln mit
Karotten, Schwein und Sojasoße. Letzteres wurde mir als typisch japanisches
Familiengericht vorgestellt, was Japaner meines Alters wohl nicht mögen sollen.
Ich fand es dagegen von allen Sachen am leckersten. Naja. Den Abend verbrachte
ich dann noch mit meinen Gasteltern und im Internet.
Am nächsten Morgen (also heute) musste ich zur
Orientierungsveranstaltung zum Mitacampus, wo auch mein Japanischunterricht
stattfinden wird. Die Nacht war etwas kurz, da ich wohl vom Jetlag nicht allzu
schnell einschlafen konnte und die Hitze ihr übriges beitrug. Aber irgendwann
schlief ich auch ein. Zum Frühstück gab es Toastbrot, Eier und Würstchen, die
aus Fisch gemacht sind. Ja ihr lest richtig, aus Fisch waren die Würstchen.
Hätte mir das mein Gastvater nicht gesagt, hätte ich sie für normale Würstchen
gehalten. Mein Gastvater brachte mich dann noch zum nächstgelegenen Bahnhof
(Minamisenju), von wo es dann über die Joban Line erst nach Ueno und über die
Yamanote Line weiter nach Tamachi ging. Gleich der erste Zug war gerappelt voll
und ich fühlte mich wie in einer Sardinendose. Zum Glück stiegen die meisten
aber eine Haltestelle für Ueno aus. Danach hatte ich schon befürchtet, dass die
Yamanote Line ähnlich voll sein würde, aber es hielt sich in moderaten Grenzen.
Der erste Punkt der Orientierungsveranstaltung
war die Selbstvorstellung. Während die Angestellten des Student Office begannen
sich vorzustellen, fragte ich mich, ob wir uns auch vorstellen müssten. Ich
hielt es jedoch für unwahrscheinlich, dass sich 135 Studenten noch extra
einzeln vorstellen sollten. Wieviel Zeit das doch verschlingt! Wir müssten uns
doch vorstellen… Nach unserer Uni geordnet sollte jeder nach vorne kommen und seine
Selbstvorstellung vortragen. Englisch oder Japanisch war dabei egal. Die
meisten haben sich auf Englisch vorgestellt. Nachdem ich mir beim Warten meine
Sätze zurecht gelegt hatte und mir sicher sein konnte, diese auch im nervösen
Zustand herausbringen zu können, habe ich mich auf Englisch und Japanisch
vorgestellt. Danach bekam ich dann meine Unterlagen. Der Pole, den ich am
Flughafen getroffen hatte, war übrigens auch da. Allerdings kommt er von einer
englischen Uni. Anschließend stellte sich noch der Kosmic-Zirkel der Uni vor,
der es sich zur Aufgabe gemacht hat, internationale Studenten zu unterstützen
und Kontakte zu vermitteln. Bei der Präsentation war übrigens auch ein Foto
dabei, wo Katha, Shizuka und Kyohei drauf zu sehen waren. ;) In Gruppen
aufgeteilt führten uns die Mitglieder nun noch über den Mitacampus und
erklärten, wo was zu finden sei. Gegen 12:00 war das dann auch vorbei und ich
machte mich erstmal wieder nach Hause auf. Zum einen war ich noch etwas müde
und bei der Hitze wollte ich auch nicht viel länger draußen sein. Nach der
Fahrt in der kühlen Bahn änderte sich jedoch meine Meinung und ich beschloss,
nachdem ich wieder in Minamisenju angekommen war, zum nahegelegenen Fluss zu
gehen, um von dort ein Bild vom Sky Tree zu machen. Der Sky Tree ein Funkturm,
der den Tokyo Tower in seiner Funktion ablöst. Gleichzeitig ist er das höchste
Gebäude Japans und zweithöchstes der Welt. Bei meinem letzten Aufenthalt war er
jedenfalls noch in den Bauphase.
![]() |
| Tokyo Sky Tree und der Fluss Sumida |
Der Weg zurück stellte sich als etwas
schwieriger heraus als angenommen, da ich nicht die Straßen fand, an denen ich
mich orientieren konnte. Den richtigen Stadtteilabschnitt (丁目) habe ich gefunden, aber für den richtigen Häuserblock hat es
eine Weile gedauert. Da ich auch anscheinend wohl etwas verirrt aussah, haben
mich einige Japaner angesprochen und mir beim Suchen geholfen, wodurch ich es
auch letztendlich gefunden habe.
Am Abend
kam noch die bereits ausgezogene Tochter meiner Gasteltern zu Besuch, mit der
ich mich auch etwas unterhielt. Ich kann eigentlich jetzt schon sagen, dass
sich der Aufenthalt in der Gastfamilie wirklich lohnt, da ich wirklich jeden
Tag Japanischen sprechen MUSS. Im Wohnheim wäre das sicherlich nicht so ohne
weiteres möglich, wenn es nicht gerade voller kontaktfreudiger Japaner ist. Über
den Hinweis, dass ich bereits meine „Miete“ zahlen könnte, bin ich am Abend
noch zum ATM im Conbini um die Ecke gegangen um Geld zu holen. Zu meiner
Verwunderung hatte ich jedoch ein Limit von 10000 Yen (95000 muss ich zahlen)
auf meiner EC-Karte. Beim letzten mal war das nicht so O.o Auch die Kreditkarte
wollte nicht herausspringen lassen. Vielleicht muss ich eine andere Accountart wählen,
andernfalls muss ich wohl mal meiner Bank ne Mail schreiben, was da schief
läuft. Ich werde es morgen einfach noch mal probieren.
Das wars
dann erstmal für heute.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen